Legasthenietherapie2018-09-03T11:06:56+00:00

Lese- und Rechtschreibstörung – Legasthenie

Erlernt Ihr Kind die Buchstaben-Laut-Zuordnung und damit das Lesen nur langsam, fehlerhaft und unsicher? Gelingt das Zusammenziehen von Einzellauten zu Wörtern wie auch das Buchstabieren nur mit großen Schwierigkeiten, insbesondere bei längeren Wörtern? Kommt es häufig zu Verwechslungen lautlich oder graphisch ähnlicher Buchstaben? Lässt Ihr Kind  Buchstaben beim Lesen oder Schreiben aus, ersetzt es sie durch andere oder fügt es Buchstaben hinzu? Macht Ihr Kind sowohl beim Abschreiben, bei Diktaten als auch beim freien Schreiben übermäßig viele Rechtschreibfehler? Liest Ihr Kind nur sehr langsam, mühsam und ungern? Wird der Sinn des Gelesenen nur bruchstückhaft oder gar nicht erfasst? Führen die ständigen Misserfolgserlebnisse im Lesen und Schreiben zunehmend zu seelischen Belastungen wie geringem Selbstvertrauen, Schul- oder Prüfungsangst, Rückzug aus dem Freundeskreis oder auch zu provozierendem oder aggressivem Verhalten? Drücken sich die seelischen Belastungen auch in körperlichen Beschwerden wie Bauchweh, Kopfschmerzen, Erbrechen, Einnässen oder Schlafstörungen aus?

Dann besteht bei Ihrem Kind vermutlich eine Lese-Rechtschreibstörung. Unter dieser so genannten Legasthenie versteht man eine spezielle entwicklungs- bzw. anlagebedingte Lernstörung, die durch deutlich ausgeprägte und lang andauernde Schwierigkeiten beim Erlernen der Kulturtechniken des Lesens und / oder des Rechtschreibens gekennzeichnet ist. Trotz regelmäßigen Schulbesuchs und ausreichender schulischer Lernanregung, trotz normaler Intelligenz und mündlicher Beherrschung der deutschen Sprache sind die betroffenen Kinder und Jugendlichen nicht in der Lage, ausreichend gut Lesen und Schreiben zu erlernen. Eine Legasthenie wird nicht durch körperliche, neurologische oder psychische Erkrankungen verursacht, sondern ist genetisch bedingt. Eine Lese-Rechtschreibstörung ist niemals ein Ausdruck von Faulheit oder Dummheit!

Aus logopädischer Sicht gelten Kinder, die sehr spät mit dem Spracherwerb beginnen und im Vorschulalter eine Sprachentwicklungsstörung aufweisen, als Risikokinder für das Auftreten einer Legasthenie. Nicht jedes sprachentwicklungsgestörte Kind muss jedoch Probleme beim Schriftspracherwerb bekommen! Häufig gehen auch ein Aufmerksamkeitsstörung AD(H)S, eine Rechenstörung (Dyskalkulie) oder eine auditive oder visuelle Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) mit einer Legasthenie einher.

Durch unsere Behandlung versuchen wir die verschiedenen Fähigkeiten bzw. Teilprozesse des Lesens und Schreibens aufzubauen, zu verbessern und zu automatisieren. Dazu gehören beim Schreiben z.B. die phonologische Bewusstheit, die alphabetischen Strategie und das orthographische Regelwissen über Rechtschreibregeln. Beim Lesen konzentrieren wir uns speziell auf die Laut- und Silbensynthese  sowie auf die schnelle Wortbilderkennung (tachistoskopisches Lesen).

Dabei greifen wir auf geeignete Übungen und Techniken aus verschiedenen anerkannten symptomorientierten und strategiegeleiteten Therapieprogrammen zurück:

  • Kieler Lese- und Rechtschreibaufbau nach Dummer-Smoch & Hackethal
  • Das Marburger Rechtschreibtraining nach Schulte-Körne
  • Lautgetreue Leserechtschreibförderung nach Reuter-Liehr
  • Vom Sprachrhythmus zur Rechtschreibung nach Lenz & Penner
  • PotsBlitz – Lesetraining nach Scheerer-Neumann & Ritter
  • Variables Lesen nach Lenz & Penner
  • v.m.

Ergänzend setzen wir computergestützte Therapieprogramme ein. Diese haben unserer Erfahrung nach einen sehr positiven Effekt auf die Therapiemotivation und Leistungsbereitschaft der Kinder und helfen, erarbeitete Regeln und Strategien zu automatisieren. Ggf. führen wir parallel zum symptomspezifischen Lese-Rechtschreibtraining auch eine Therapie der basalen Wahrnehmungsfunktion der auditiven und/oder visuellen Verarbeitung und Wahrnehmung durch.