Logopädie bei Erwachsenen2018-09-17T13:51:15+00:00

Logopädie bei Erwachsenen

“Kräfte lassen sich nicht mitteilen, sondern nur wecken.”
(Georg Büchner)

Unser Behandlungsspektrum bei Erwachsenen umfasst alle Störungsbilder, die in den Bereichen Sprechen und Schlucken, Sprache und Verstehen, Lesen und Schreiben sowie Stimmgebung auftreten können.

Auf Verordnung des Arztes hin führen wir die Behandlung bei nicht mobilen Patienten auch gerne im Rahmen eines Hausbesuchs durch. Die logopädische Behandlung sollte, insbesondere bei neurologischen oder die Stimme betreffende Erkrankungen, so früh wie möglich beginnen, d.h. teilweise schon in der Akutphase, sobald es der Allgemeinzustand des Patienten erlaubt.

Mögliche behandlungsbedürftige Störungsbilder bei Erwachsenen sind:

Haben Sie oder Ihr Angehöriger eine Hirnblutung, einen Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten? Zeigen sich seither Probleme bei der Aussprache, der Wortfindung, dem Satzbau und dem Sprachverstehen? Gelingt das Lesen und Schreiben nicht mehr richtig? Spricht Ihr Angehöriger „wirr“ sozusagen „ohne Punkt und Komma“ oder kann er gar nichts mehr sagen oder kaum noch sprechen?

Dann liegt bei Ihnen oder Ihrem Angehörigen eine Aphasie vor. Darunter versteht man eine zentrale Störung des Sprachsystems, bei der alle Komponenten – Aussprache, Wortschatz, Grammatik, Lesen und Schreiben – isoliert oder in Kombination in unterschiedlichem Schweregrad betroffen sein. In jedem dieser Bereich sind Störungen des Sprachverständnis und / oder der Sprachproduktion möglich. Typischerweise treten bei betroffenen Personen zugleich verschiedene individuelle sprachliche Symptome auf. Kein Betroffener weist die gleichen oder alle unten aufgeführten Symptome auf!

In Abhängigkeit von der individuellen Symptomatik, der Dauer der Sprachstörung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten stehen uns zur Behandlung der Aphasie die unterschiedlichsten Therapieansätze und -methoden zur Verfügung:

  • stimulierend / deblockiernd: Reaktivierung sprachlicher Fähigkeiten über eine Stimulierung des gesamten Sprachsystems (z.B. Deblockierungsmethode nach Weigl, Melodische Intonationstherapie nach Sparks et al.)
  • symptomorientiert / sprachsystematisch: Anregung spezifisch sprachlicher Lernprozesse mithilfe nach sprachwissenschaftlichen Kriterien strukturierten Sprach- und Übungsmaterials (z.B. Neurolinguistische Aphasietherapie NAT nach Neubert et al.)
  • prozess- / strategie- / modellorientiert: Optimierung erhaltener Sprachprozesse und Modifikation bzw. Kompensation gestörter sprachlicher Verarbeitungsrouten (z.B. Reduzierte Syntaxtherapie REST nach Schlenck et al.)
  • kommunikativ / pragmatisch: Verbesserung der Kommunikation durch Einsatz aller verfügbaren Ausdrucksmittel (z.B. Promoting Aphasics’ Communicative Effectiveness PACE nach Davis & Wilcox)

Wir wählen die für Sie oder Ihren Angehörigen am besten geeignete Behandlung aus und passen sie individuell an Ihre Bedürfnisse an.

Dysarthrophonie

Leiden Sie an einer verlangsamten, verwaschenen, abgehackten oder monotonen Sprechweise? Können Sie einzelne Laute oder Lautkombinationen nicht mehr richtig aussprechen? Ist die Beweglichkeit von Lippen und Zunge eingeschränkt? Hat sich Ihre Stimme verändert, klingt rau oder gepresst, zu laut oder zu leise? Haben Sie Probleme mit der Atmung oder der Sprechmelodie?

Dann liegt bei Ihnen eine Dysarthrophonie vor. Bei einer Dysarthrophonie ist überwiegend die Ausführung von Sprechbewegungen, also die Artikulationsgenauigkeit und -geschwindigkeit gestört. Dies führt zu einer „holprigen“, verlangsamten oder verwaschenen Sprechweise. Die Lautbildung ist konstant und immer auf die gleiche Weise beeinträchtigt. Daneben können auch Atmung, Stimmgebung und / oder Sprechmelodie verändert sein. Die Koordination aller am Sprechen beteiligten Bereiche gelingt nur unzureichend. Eine Dysarthrophonie ist häufig die Folge eines Schlaganfalls, einer Hirnblutung oder anderer erworbener oder angeborener neurologischer Erkrankungen.

Je nach individueller Symptomatik wählen wir hier Therapieschwerpunkte aus den Bereichen Körperhaltung, Atmung, Stimmgebung, Zungenmundmotorik oder Artikulation aus und versuchen mithilfe gezielter Übungen die beeinträchtigten Funktionen zu verbessern und das verbesserte Sprechmuster in den Alltag zu übertragen.

Sprechapraxie

Machen Sie beim Sprechen sehr viele Aussprachefehler in Form von Lautvertauschungen, -auslassungen der -ersetzungen? Hören sich die Laute anders an als normal? Suchen Sie nach der richtigen Sprechbewegung und ist das Sprechen für Sie regelrecht anstrengend? Gelingen unwillkürlichen Lippen- und Zungenbewegungen gut, vergleichbare bewusste Sprechbewegungen aber nicht?

Dann liegt bei Ihnen eine Sprechapraxie vor. Darunter versteht man eine Störung in der Planung der Sprechmotorik, die nicht durch eine Funktionseinschränkung (z.B. Lähmung oder Verlangsamung) der am Sprechakt beteiligten Organe oder Muskeln zu erklären ist, sondern zentral bedingt ist. Bei Erwachsenen tritt diese Störung sehr häufig in Kombination mit einer Sprachstörung (Aphasie) z.B. nach einem Schlaganfall auf. Eine Sprechapraxie äußert sich durch ein verändertes Sprechverhalten, variable Artikulationsfehler bei denselben Lauten oder Wörtern,

artikulatorische Suchbewegungen sowie eine sicht- und hörbare Sprechanstrengung. Unwillkürliche Bewegungsmuster gelingen generell besser als willkürliche Sprechbewegungen. In Ausnahmefällen kann die Sprechfähigkeit bis auf wenige Einzellaute oder -wörter komplett verloren gehen, obwohl der Betroffene gut versteht und genau weiß, was er sagen will.

Diese Sprechstörung behandeln wir nach dem Therapieansatz TAKTKIN von Beate Birner-Janusch, wobei mittels taktil-kinästhetischer Hinweisreize, die der Therapeut mit den Fingern direkt an den Lippen und am Mundboden des Patienten setzt, einzelne problembehaftete Laute gemäß einer sprechmotorischen Behandlungshierarchie von der Kiefer-, über die Lippen- und Zungensteuerung bis hin zur Koartikulation und Prosodie erarbeitet und in das spontane Sprechen übertragen werden.

Haben Sie oder Ihr Angehöriger Probleme beim Kauen und Schlucken? Können Sie das Essen nicht mehr herunter schlucken? Tritt beim Schlucken Nahrung oder Speichel durch Mund oder Nase aus? Verschlucken Sie sich häufig oder bleibt Ihnen der Bissen im Hals stecken? Müssen Sie beim Essen oft husten und hört sich Ihre Stimme anschließend „feucht oder gurgelnd“ an?

Dann leiden Sie oder Ihr Angehöriger an einer Dysphagie. Darunter versteht man eine Schluckstörung, die zu Beeinträchtigungen oder Behinderungen der Nahrungsaufnahme und / oder des Schluckens selbst führt. Verschiedene Nahrungskonsistenzen (flüssig, fest, breiig) stellen unterschiedliche Anforderungen an den Schluckvorgang dar und können daher mehr oder weniger Probleme bereiten. Häufig hat auch eine schlechte Körperhaltung beim Essen mit extrem nach hinten gebeugten oder nach vorne gestrecktem Kopf eine negative Auswirkung auf den Schluckakt.

Nicht behandelte Schluckstörungen können lebensbedrohliche Folgen haben! Sie können zu Mangelernährung und / oder Flüssigkeitsmangel (Dehydration) sowie zu Erkrankungen der Mundschleimhaut führen. Außerdem besteht beim Verschlucken von Nahrung Erstickungsgefahr! Zudem gelangen beim stillen Verschlucken unbemerkt Flüssigkeit und Nahrungspartikel in die Luftröhre und die Lunge, was zu wiederkehrendem Fieber, Bronchitiden und schlimmstenfalls zu Lungenentzündungen führen kann!

Im Rahmen einer logopädischen Therapie wird mit Angehörigen und / oder Pflegepersonal eine ausführliche Kostberatung durchgeführt, um die individuell bestmögliche Ernährung des Patienten zu gewährleisten. Mithilfe mundmotorischer Übungen zur Sensibilisierung und Kräftigung bestimmter Muskelgruppen werden die zum Schlucken notwendigen Muskelfunktionen wieder aufgebaut. Durch Erlernen bestimmter Schlucktechniken wird allmählich wieder eine normale Schluckfunktion aufgebaut und der Patient an die Ernährung mit normaler Kost herangeführt.  In einigen Fällen ist die Wiederherstellung einer normalen Schluckfunktion nicht mehr möglich, so dass bestimmte kompensatorische Schlucktechniken bzw. gewisse Kosteinschränkungen bestehen bleiben. Schlimmstenfalls ist die Versorgung mit einer Magensonde unabdingbar, um eine ausreichende Ernährung sicher zu stellen.

Klingt Ihre Stimme leise, behaucht und matt? Oder ist Ihre Stimme heiser, rau, gepresst oder verhaucht bis ganz aphon (tonlos)? Können Sie die Sprechlautstärke und Stimmlage nicht mehr fein regulieren? Ist die Belastbarkeit Ihrer Stimme eingeschränkt? Kommt es schnell zu Ermüdungserscheinungen? Treten Missempfindungen wie Kratzen, Trockenheits- und / oder Fremdkörpergefühl im Rachenraum auf? Dann liegt bei Ihnen eine Dysphonie vor. Diese Stimmstörung ist das Resultat einer fehlerhaften Koordination im Bewegungsablauf des Stimmgebungsapparats und führt zu Veränderungen in der Klangqualität der Stimme wie auch zu verminderter stimmlicher Leistungsfähigkeit. Der Stimmklang ist abhängig von der Muskelspannung der Stimmlippen und des ganzen Körpers. Ist die Muskelspannung im Kehlkopfbereich herabgesetzt, klingt die Stimme leise, behaucht und matt (Hypofunktionelle Dysphonie). Ist die Muskelspannung im Stimmlippenbereich jedoch erhöht, kann die Stimme heiser, rau, gepresst oder verhaucht bis ganz aphon (tonlos) sein (Hyperfunktionelle Dysphonie). Es kann zudem zu einem unphysiologischen Atemmuster und einer reduzierten Atemkapazität kommen.

Die so genannten hypo- und hyperfunktionellen Dysphonien sind in der Regel funktionell bedingt, d.h. die stimmlichen Veränderungen beruhen nicht auf erkennbaren strukturell-organischen Veränderungen im Bereich der Stimmlippen. Veranlagung, ungünstige stimmliche Gewohnheiten, falscher unökonomischer Stimmgebrauch, stimmliche Überlastung aber auch psychische Probleme sowie schwere Allgemeinerkrankungen können zum Auftreten dieser Stimmstörungen beitragen. So genannte Berufssprecher (z.B. Schauspieler, Dozenten, Lehrer, Erzieher, Geistliche) bzw. Menschen mit sprechintensiven Berufen (z.B. Rezeptionisten, Call-Center-Agenten) sind besonders häufig von einer solchen Dysphonie betroffen. Funktionelle Stimmstörungen stehen immer auch in engem Zusammenhang mit der Persönlichkeit und dem privaten und beruflichen Umfeld des Betroffenen.

Es gibt aber auch organisch bedingte Stimmstörungen mit nachweisbaren strukturell-organischen Veränderungen der Stimmlippen, beispielsweise im Rahmen entzündlicher Erkrankungen (z.B. nach Kehlkopfentzündung), organische Veränderungen der Stimmlippen (z.B. Stimmlippenknötchen, Stimmlippenzysten, Stimmlippenpolypen, Stimmlippenödeme), Stimmlippenlähmungen (z.B. nach Schilddrüsenoperation) sowie bei traumatischen Veränderungen (z.B. Intubationsfolgen).

Zur Therapie von Stimmstörungen existiert kein einheitliches Verfahren. Im Lauf der Zeit wurde eine Vielzahl unterschiedlichster Behandlungsmethoden mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen entwickelt. Die Behandlung von Stimmstörungen umfasst stets Übungen aus den Bereichen Atmung, Körper, Stimme sowie Artikulation, die der Verbesserung individueller Symptome dienen. Wir wählen zur Behandlung von Stimmstörungen die für den Patienten am besten geeigneten Übungen aus folgenden bewährten Therapiekonzepten aus und integrieren sie in eine individuelle Therapiekonzeption:

  • Kaumethode und Stoßübungen nach Fröschels
  • Atemrhythmisch Angepasste Phonation AAP nach Coblenzer & Muhar
  • Atemwurf nach Fernau-Horn
  • Akzentmethode nach Smith
  • Personale Stimmtherapie nach Stengel & Strauch
  • Funktionales Stimmtraining
  • Integrative Stimmtherapie nach Haupt
  • LAX VOX® „freie Stimme“ von M. Sihvo, ins Deutsche übertragen von Stephanie A. Kruse

Klingt Ihre Stimme nach dem Singen heiser, rau, gepresst oder behaucht? Bestehen Einschränkungen im Stimmumfang, Registerbrüche oder Intonationsunsicherheiten sowie Stimmzittern? Sind Stimmeinsätze zu hart, funktioniert der Schwellton nicht mehr fließend und ist die Fähigkeit zur Regulierung der Lautstärke eingeschränkt? Dann besteht bei Ihnen eine Dysodie. Bei regelmäßiger Benutzung der Singstimme im Beruf oder in der Freizeit kann es ebenso wie oben beschrieben bei der Sprechstimme zu behandlungsbedürftigen Veränderungen des Stimmklangs und der stimmlichen Belastbarkeit kommen. Prinzipiell ist hier das Zusammenspiel zwischen Atemdruck und Stimmlippenspannung nicht ausbalanciert.

Dysodien können die gleichen Ursachen wie Dysphonien haben. Zudem wird ihre Entstehung auch durch zu viel oder zu lautes Singen, Singen in ungeeigneter Stimmlage sowie durch eine ungeeignete oder mangelhafte Gesangstechnik mit verursacht.

Zur Behandlung der Gesangsstimme wählen wir aus den gleichen Therapiemethoden die individuell passenden Übungen aus wie zur Behandlung der Sprechstimme.

Stottern

Wiederholen Sie mehr oder weniger unfreiwillig und unkontrollierbar Wörter, Silben oder Laute häufig mehrmals? Kommt es zu Dehnungen einzelner Laute oder zu kompletten Blockierungen beim Sprechen? Spannen Sie sich beim Sprechen an oder versuchen Sie das Sprechen mit Körperbewegungen wieder in Gang zu bringen? Haben Sie Angst vor dem Sprechen selbst oder vor bestimmten Lauten, Wörtern oder Situationen und vermeiden Sie es deshalb manchmal komplett zu sprechen? Sind Sie sich Ihrer Sprechprobleme sehr bewusst und leiden Sie stark darunter?

Dann leiden Sie an Stottern (Balbuties). Diese Form der Sprechstörung ist gekennzeichnet durch eine Störung des Sprechablaufs bzw. der Sprechflüssigkeit und begleitet einen Betroffenen leider sein Leben lang. Stottern kann lebenslang in schwierigen Lebensphasen oder unter beruflichen und / oder privaten Belastungen phasenweise und mit großen Schwankungen in der Ausprägung der Symptome auftreten. Ein so genanntes „neurogenes Stottern“ kann im Erwachsenenalter auch nach einem Schädel-Hirn-Trauma, einem Schlaganfall, bei einem Hirntumor, einer degenerativen Erkrankung des zentralen Nervensystems oder als eine medikamentöse Nebenwirkung (z.B. von Neuroleptika) in Erscheinung treten. In seltenen Fällen kann es infolge einer plötzlichen inneren Traumatisierung auch zu einem „psychogenen Stottern“ kommen.

Zur Behandlung des Stotterns orientieren wir uns überwiegend an der traditionellen Stottertherapie nach Charles van Riper („Nicht-Vermeidungs-Ansatz“), wobei die darin enthaltenen Behandlungsmethoden und -techniken durch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen modifiziert und ergänzt werden. Des Weiteren fließen Elemente aus dem aktuellen Therapiekonzept von Holger Prüss in die Behandlung mit ein. Jede Behandlung beinhaltet verschiedene Therapiebereiche. Unter gezielter Anleitung des Therapeuten erfolgt eine schrittweise direkte Auseinandersetzung mit dem Stottern. Der Betroffene lernt, seine individuellen Symptome beim Stottern zu erkennen (Identifikation), seine Angst davor abzubauen und seine Sprechweise anzunehmen (Desensibilisierung) und mithilfe einer Sprechtechnik gezielt und bewusst zu flüssigerem Sprechen hin zu verändern (Modifikation) und diese veränderte Sprechweise mehr und mehr in den Alltag zu integrieren. Besonderes Augenmerk legen wir hierbei auf die „Enttabuisierung“ des Stotterns, da eine positive gelassene Einstellung des Betroffenen selbst und seiner Umgebung, also v.a. seiner Familie, gegenüber dem Stottern entscheidend zum Behandlungserfolg beiträgt.

Poltern

Sprechen Sie überhastet und schnell, undeutlich und verwaschen? Lassen Sie dabei Laute, Silben und Wörter aus, stellen diese um oder verschmelzen sie sogar? Wirken Ihre Erzählungen unzusammenhängend, fehlt der rote Faden, so dass Zuhörer Ihnen nur schlecht folgen können? Kommt es zu Satzumstellungen oder -abbrüchen? Werden Sie häufig von anderen Personen auf Ihr unflüssiges Sprechen angesprochen ohne es selbst zu bemerken oder als störend zu empfinden?

Dann besteht bei Ihnen vermutlich ein Poltern. Eine polternde Sprechweise entsteht durch Probleme bei der gedanklichen Planung von Sprechen und Sprache. Die am Sprechen beteiligten Sprachfunktionen werden nicht sauber koordiniertund aufeinander abgestimmt und der Betroffene spricht deshalb unflüssig, überhastet und unverständlich. Meist bemerkt der Betroffene selbst sein polterndes Sprechen nicht und leidet auch nicht darunter. Stattdessen leidet eher die Umwelt unter der mangelhaften Verständlichkeit der Äußerungen. Im Gegensatz zum Stottern verbessert sich das Poltern durch Konzentration auf das Sprechen.

Im Rahmen einer logopädischen Behandlung orientieren wir uns an dem mehrdimensionalen, einzelfallorientierten Therapiekonzept zur Behandlung des Polterns nach Ulrike Sick. Dabei wird zunächst besonderes Augenmerk auf die Verbesserung der Selbstwahrnehmung im jeweils zu behandelnden Therapiebereich gelegt. Als mögliche Therapiebereiche kommen u.a. die Reduzierung des Sprechtempos, die Erarbeitung einer physiologischen Betonung und Sprechatmung, eine korrekte Artikulation sowie eine sprachliche Strukturierung in Frage. In allen Bereichen werden Strategien zur Sprechkontrolle erarbeitet und auf der Grundlage der verbesserten Selbstwahrnehmung in den Alltag übertragen.

Abzugrenzen ist das medizinische Störungsbild des Polterns von „normalen“ Redeunflüssigkeiten  bei allgemein mangelhaften rhetorischen Fertigkeiten und sprachlichen Unsicherheiten z.B. im Rahmen von Vorträgen oder bei schnell sprechenden, aber ansonsten sprachgesunden Menschen. Rhetorik und Sprecherziehung sind nicht Gegenstand einer logopädischen Therapie. Eine logopädische Behandlung erhalten ausschließlich Patienten mit einer medizinisch begründeten, pathologischen Störung des Sprachsystems. Schulungen zur Rhetorik und Sprecherziehung erhalten Sie z.B. an Volkshochschulen oder in Seminaren anderer Anbieter.

Hängt bei Ihnen oder Ihrem Angehörigen ein Mundwinkel, ein Augenlid oder gar die eine ganze Gesichtshälfte nach unten? Können Sie Auge oder Mund nicht mehr fest schließen? Gelingen mimische Bewegungen (z.B. Stirn runzeln, Augenbrauen heben oder zusammenziehen, Nase rümpfen) nicht mehr? Ist die Beweglichkeit von Lippen und Zunge beeinträchtigt? Vielleicht sogar die Aussprache bestimmter Laute verwaschen?

Dann leiden Sie an einer Fazialisparese. Darunter versteht man eine Gesichtslähmung, die meist ein-, selten auch beidseitig auftritt. Die Ursache ist eine teilweise oder komplette Lähmung des Hirnnerven N. facialis, der normalerweise die Bewegungen der Gesichtsmuskulatur steuert. Aufgrund der Lähmung kommt es zu Beeinträchtigungen der verschiedenen mimischen, mundmotorischen oder artikulatorischen Bewegungen.

Zur Behandlung einer Gesichtslähmung stehen uns drei erprobte Therapieverfahren zur Verfügung:

  • Kognitiv-therapeutische Methode nach Perfetti
  • Orofaciale Regulationstherapie nach Castillo Morales
  • Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation PNF nach Kabath, Knott & Voss

Bei allen drei Methoden wird unter mehr oder weniger aktiver Mitarbeit des Betroffenen mithilfe verschiedener manueller Techniken der sich regenerierende Nerv gezielt angeregt, seine ursprüngliche Funktion zur Kontrolle der Gesichtsmuskelaktivität wiederaufzunehmen, während überschießende, nicht erwünschte Bewegungen gehemmt bzw. abgebaut werden. Eine logopädische Behandlung ist nur dann erfolgversprechend, wenn der Nerv nicht vollständig durchtrennt oder geschädigt wurde.

Tragen Sie ein Hörgerät oder ein Cochlea-Implantat? Verstehen Sie trotz Hörgeräteversorgung Erklärungen, Aufträge oder Gespräche schlecht und sprechen selbst noch undeutlich oder grammatikalisch fehlerhaft?

Angeborene oder in den ersten Lebensjahren erworbene Hörschädigungen werden zwar heute in der Regel schon im Kindesalter erkannt und die Betroffenen mit der für sie passenden Hörgerätetechnik versorgt, um eine bestmögliche Hörschwelle v.a. für Sprache zu erreichen. Aber auch bereits mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantat versorgte hörgeschädigte Erwachsene oder Patienten mit einer progredienten, d.h. sich zunehmend verschlechternden Hörstörung, die ihre Sprech- und Sprachfähigkeiten (weiter) verbessern bzw. aufrechterhalten wollen, können jederzeit eine logopädische Therapie in Anspruch nehmen.

Insbesondere verhilft eine logopädische Behandlung direkt nach der Neuversorgung mit einem Cochlea-Implantat zur Entwicklung und Verbesserung der Hör- und Sprechfähigkeiten. Das logopädische Hörtraining mit CI-Trägern beinhaltet das Training des auditiven Sprachverstehens über hierarchisch aufeinander aufgebaute Hörstufen und sprachlichen Ebenen nach dem Konzept des Erlanger Universitätsklinikums. Ziel ist das offene Sprachverstehen möglichst auch ohne Unterstützung durch das Mundbild.

Möchten Sie mehr über Sprech- und Sprachstörungen bei Erwachsenen erfahren, so finden Sie auf der Homepage des Bundesverbandes www.dbl-ev.de umfangreiches Informationsmaterial zu den Themen Ursachen, Symptome, Diagnostik, Therapieansätze sowie Tipps für Betroffene und Angehörige.

Bitte beachten Sie den Verordnungsweg für unsere Leistungen.